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Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung

12. November 2013 in Köln

(Programm)

Herr Prof. Dr. Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig, und Dr. Helmut Hofmeier begrüßten die gut 60 Repräsentanten der Assekuranz und angrenzenden Branchen zur Pilotkonferenz in der Reihe „Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung“ im Hotel Pullman Cologne in Köln.

Auf die Vorstellung des Tagungsprogramms folgte der Einführungsvortrag „Altersvorsorge in Deutschland – Meinungen und Einstellungen der Bundesbürger“ von Dr. Peter Matuschek, Bereichsleiter Politik- und Sozialforschung bei der forsa, Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH. Basierend auf der jüngsten forsa-Studie stellte Matuscheck die Standpunkte der deutschen Bevölkerung zu verschiedenen Fragestellen der Altersvorsorge vor. Obwohl 90 Prozent der Bürger davon ausgehen, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreicht und 69 Prozent die gesetzliche Rente für nicht gesichert halten, sorgen lediglich 62 Prozent privat in irgendeiner Weise finanziell für das Alter vor. Von denjenigen, die keine Altersvorsorge getroffen haben, begründen 77 Prozent ihre unzureichende private Altersvorsorge mit Geldmangel und 39 Prozent mit Zweifel an der Sicherheit der Anlageprodukte. Trotz des Nachholbedarfs in Sachen Altersvorsorge würde die Mehrheit der Befragten ihre Pflichtbeiträge lieber privat anlegen als weiterhin in das gesetzliche Umlagesystem einzuzahlen.

Im Anschluss eröffnete Dr. Joachim Maas, Vorsitzender des Vorstandes der VOLKSWOHL BUND Lebensversicherung a. G. den ersten Themenblock „Produktpolitik in der Lebensversicherung“ mit seinem Referat zu „Zinsgarantien: Status quo und Entwicklungstrends“. Auf Grundlage der Alleinstellungsmerkmale der Lebensversicherung (Absicherung biometrischer Risiken, Garantie des Rechnungszinses, kollektiver Sparprozess) veranschaulichte Maas den „Kern des Problems der Lebensversicherung“. Während der garantierte Rechnungszins faktisch eine geringe Werthaltigkeit für den Versicherungsnehmer besitze, spiele dieser vertrieblich eine hohe Rolle. Eine der wichtigsten Aufgaben der Lebensversicherungen sei es, die Vorteile des kollektiven Sparprozesses in die Öffentlichkeit zu transportieren. Den Kunden müsse der Ausgleich zwischen Sicherheitsanspruch und Rendite veranschaulicht werden. Unter den möglichen Handlungsstrategien deutscher Lebensversicherungsunternehmen seien Lebensversicherungen mit „alternativen“ Garantien „eine positive Antwort auf die aktuellen Herausforderungen“ der Lebensversicherung, so Maas.

Marcus Nagel, stv. Vorsitzender des Vorstandes, Chief Executive Officer Life der Zurich Gruppe Deutschland, stellte „Produktstrategien unter Solvency II“ vor. Herr Nagel begann seinen Vortrag mit einer Darstellung der Herausforderungen und Chancen von Solvency II und die damit einhergehende Veränderung des Geschäftsmodells der Lebensversicherung (in Bezug auf die „Operations“, Produkte und den Vertrieb). Darauf aufbauend beschrieb er den Einfluss von Solvency II auf die Produktentwicklung und stellte anschließend mögliche Produktstrategien vor. Solvency II werde die “Produktstrategien vieler Versicherungsunternehmen grundlegend verändern“. Risikobasierte Produktentwicklung und wertorientierte Steuerung seien essentiell. Die Zurich habe „ein solides Fundament der wertorientierten Unternehmenssteuerung mit risikobasierten Ansätzen für Produktdesign, Produkt-Pricing und Investmentmanagement“ und werde den Fokus weiter auf „fondsgebundene und Biometrie-Produkte“ legen.

Der zweite Themenblock der Pilotkonferenz befasste sich mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Lebensversicherung. Zunächst sprach Prof. Dr. Kurt Wolfsdorf, Präsident der International Actuarial Association, über die „Überschussbeteiligungssysteme: Rollen, Herausforderungen und Handlungsoptionen in Bezug auf die RfB sowie Bewertungsreserven. Er beantwortete zunächst die Frage, warum es eine Überschussbeteiligung gibt, bevor er dann über die Rolle der RfB referierte. Die „Spielräume für die Überschussbeteiligung werden enger“, so Wolfsdorf. Anhand der Frage, ob „die derzeitige Form der Überschussbeteiligung sachgerecht“ sei, leitete Wolfsdorf in die rechtliche und aktuarielle Begründung für die risikoadjustierte Überschussbeteiligung über und sprach sich für eine Spreizung der Überschüsse aus.

„Rechtliche Probleme der neuen Risikoprodukte in der Lebensversicherung“ stellte Dr. Joachim Grote, Partner/Rechtsanwalt bei BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft dar. Als grundlegend wichtig für die Positionierung betonte Grote die Ausgestaltung der Risikoprodukte. Dazu ordnete er die neuen Risikoprodukte (anhand der Beispiele Dread Disease-Produkte und Pflegeversicherungs-Produkte) in die Sparten ein und erörterte die mit der Spartenzuordnung verbundenen Folgen. Grote ging weiterhin auf die AGG-, AGB- und versicherungsrechtliche Wirksamkeit der Altersgrenzen, Laufzeiten bzw. automatischen Verlängerungen und steigenden Risikoprämien ein. Abschließend thematisierte Grote die „drei grundlegenden Pflichten“ (Frage- Beratungs-, Begründungspflicht) im Vertrieb.

Der dritte Block verdeutlichte dem Plenum die „Bedeutung des Vertriebs und der Rückversicherung für das Lebensversicherungsgeschäft“. Michael Rentmeister, Chief Executive Officer der OVB Holding AG, stellte seine Sicht zum Thema „Komplexität von Lebensversicherungsprodukten: Anforderungen an den Vertrieb“ dar. Die Komplexität entstünde u. a. durch die öffentliche Diskussion, Intransparenz bzw. Unvollständigkeit, die Suche nach Plausibilität, Regulierung und Beratungshaftung. Die Deutschen „brauchen gute Lebensversicherungen und gute Beratung“. Dabei sei „die Reduzierung von Komplexität eine gemeinsame Aufgabe“. Das „traditionelle Miteinander von Produktpartnern und Vermittlern im Sinne des Kunden“ dürfe nicht aufgegeben werden. Als „Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit“ sieht Rentmeister die „Berücksichtigung von Kunden- und Beraterinteressen“. Selbstverständlich und nachhaltig müsse „jeder seine „Hausaufgaben“ an seinem Platz unter Wahrung der gegenseitigen Interessen“ machen.

Den Schlusspunkt setzte Michael Rohde, Mitglied des Vorstandes der Deutsche Rückversicherung AG. Sein Thema lautete „Möglichkeiten und Herausforderungen der Lebensrückversicherung in Deutschland“, wobei er zunächst eine Übersicht über die Herausforderungen, die das Geschäftsmodell der Lebensrückversicherung tangieren, gab. Als wesentliche Herausforderungen nannte er u. a. den Wandel der Produktwelt, die Demografie und die Vorgaben des Gesetzgebers. Daraus leitete Rohde die Möglichkeiten der Rückversicherer im Rahmen der Produktentwicklung, bilanziell motivierter Rückversicherung, aktuarieller Analysen und Services für Neugeschäfts- und Leistungsprüfungsprozesse ab.