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Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung

18. November 2014 in Köln

„Lebensgeschäft ist Marathongeschäft“

Nach einer erfolgreichen Pilotkonferenz im vergangenen Jahr lud das Institut für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig am 18. November 2014 zur 2. Konferenz in der Reihe „Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung“ nach Köln ein. Professor Dr. Fred Wagner, der die Veranstaltung moderierte, begrüßte dazu 75 Teilnehmer im Veranstaltungsbereich des Hotels Pullman Cologne.

Der Blick auf die Agenda des Tages seitens des Gastgebers versprach interessante Themenstellungen und vielseitige Diskussionen. Zunächst kam Joachim Geiberger, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung von MORGEN & MORGEN, mit seinem Vortrag über „Strategische Produktoptionen im Lebensversicherungsgeschäft“ zu Wort. Gezielte Maßnahmen der Forschung und Entwicklung, die im industriellen Sektor typischerweise Veränderungen vorausgehen, bezeichnete er im Zusammenhang mit der Versicherungswirtschaft als „Stiefkind“. Weiterhin gab er Beispiele für strategische Produktangebote und -optionen im Bereich der Altersvorsorge, die vor allem auf Transparenz und Bezahlbarkeit abzielten. „Wir müssen als Branche viel mehr dazu kommen, die Kunden an die Hand zu nehmen.“, rief er dahingehend auf. Dabei ginge es eher darum, die Kunden nicht mit der Thematik zu überfordern, als einfache Produkte zu entwickeln.

Die „Herausforderungen in der Lebensversicherung aus Sicht der BaFin“ erläuterte deren Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht, Felix Hufeld. Auf die Doppelbelastung der schwierigen Marktumstände und regulatorischen Anforderungen, die er aufzeigte, müsse mit einem breiten „Strauß von möglichen Maßnahmen“ reagiert werden. Dabei unterschied er zwischen drei Blöcken: der Zukunftsfähigkeit der Vorsorgeprodukte, der Thematik um die Kosten sowie unbedingt benötigter Transparenz gegenüber oder Akzeptanz und Vertrauen aus der Bevölkerung. Bezüglich der Abschlusskosten äußerte er sich klar: „Da ist die deutsche Lebensversicherung schlichtweg zu teuer.“ Wenn Regulierung dazu führt, dass sich Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen keinen Versicherungsschutz mehr leisten könnten, dann sei das laut Hufeld sozialpolitisch nicht vertretbar. Ebenso äußerte er sich kritisch zur Partizipation der Branche an Infrastrukturinvestitionen; das ginge nicht um jeden Preis, da es sich um das Geld der Kunden handelt.

Den letzten Vortrag vor der Mittagspause „Zinszusatzreserve: Status quo und Konsequenzen“ hielt Michael Kurtenbach, Mitglied des Vorstands der Gothaer Lebensversicherung AG. Einleitend vermittelte er einen Überblick zu den Grundlagen, der Funktionsweise sowie den Berechnungsverfahren und dem bilanziellen Charakter dieses Instruments, woraus er finanzwirtschaftliche Implikationen ableitete. Zu bedenken gab er vor allem die Probleme, die im Zusammenhang mit der anhaltenden Niedrigzinsphase stehen, sowie die Finanzierbarkeit der hohen Garantien im Bestand der Lebensversicherer. Gerade die Dotierung der Zinszusatzreserve schmälert die Ertragskraft der Unternehmen. Pointiert appellierte Kurtenbach an die Zuhörerschaft, „die Lebensversicherung wetterfest zu machen“, und er beendete seinen Vortrag mit der zugespitzten Behauptung: „Wer die Herausforderung Zinszusatzreserve meistert, der besteht auch Solvency II.“

Aus seiner alltäglichen Berufspraxis berichtete Frank Wittholt, Mitglied der Vorstände der VORSORGE Lebensversicherung AG sowie ERGO Pensionsfonds AG, im Detail über den „Kooperationsvertrieb in der Lebensversicherung“. Dabei erläuterte er die typischen Funktionsweisen und Herausforderungen, die mit diesem Vertriebstyp in Verbindung mit der Lebensversicherung einhergehen; das betrifft zum Beispiel die Standardisierung der Produkte, das Branding, die Online-Policierung oder die Anforderungen an die Beratung. Sehr wichtig sei vor allem die enge Verzahnung in die Bankgeschäfte oder der Aufbau eines gemeinsamen Data Warehouse. „Eine ganz besondere Herausforderung ist das Thema Digitalisierung“, verdeutlichte Wittholt. Seiner Meinung nach bietet jene auch viele Chancen, die er in der nachfolgenden Diskussion mit den Teilnehmern erörterte.

Volker Seidel, Mitglied des Vorstands der Generali Versicherungen, zeigte die „Anforderungen an die Produktgestaltung im aktuellen Marktumfeld“ auf. Dabei drückte er gleich zu Beginn aus, dass der Sicherheitsgedanke unbedingt vor Rendite und Transparenz stehen sollte. Darauf müssten die Produkte eine Antwort geben. Trotz dessen, dass die Rahmenbedingungen seiner Meinung nach nicht besser werden würden, misst er der Zukunft ein Wachstum des Neugeschäfts bei, da die Vorsorgeprodukte auch in heutiger Zeit nicht an Wichtigkeit verloren haben. Jedoch gab Seidel zu bedenken, dass die Produktgestaltung in der Branche vielleicht „früher zu leichtsinnig und heute zu scheu“ erfolgt. Im Nachgang diskutierten der Referent, Prof. Dr. Wagner und einige Teilnehmer aus dem Publikum die Thematik aus vielen Blickwinkeln.

Besonderes Interesse der Zuhörerschaft fand der Vortrag von Heinz-Jürgen Roppertz, Mitglied des Vorstands der Delta Lloyd Deutschland AG, über „Run-off in der Lebensversicherung: Potenziale und Herausforderungen“. Dabei erläuterte er die Hintergründe, die Umsetzung des Run-offs und schließlich die Hürden, welche es bei der Gesellschaft zu überwinden galt. Grundsätzlich gilt es, Strukturen zu schmälern. Vor allem die Trennung von Mitarbeitern, allen voran das nicht mehr benötigte Vertriebspersonal, sei dabei eine schmerzliche Erfahrung gewesen. Zudem stellte er fest: „Sie brauchen keine Produktentwicklung mehr.“ So bitter die Maßnahmen zum Run-off eines Lebensversicherers auch sein mögen, hielt Roppertz dem auch eine Darstellung der seitdem positiven Geschäftsergebnisse entgegen. In der anschließenden Diskussion hatte Roppertz noch viele Nachfragen der Konferenzteilnehmer zu beantworten.

Beendet wurde die zweite Lebenkonferenz durch Rolf Schünemann, Mitglied des Vorstands der Lebensversicherung von 1871 a.G. München. Er nahm sich der Themenstellung „Lebensversicherung 2015 – Ausblick vor dem Hintergrund dynamischer Regulierungsentwicklungen“ an. Dazu stellte er zunächst die Meilensteine der qualitativen Entwicklung der Branche sowie die demografischen Gegebenheiten in der Zukunft dar, bevor er daraus den Auftrag der privaten Versicherungswirtschaft ableitete. Auch die Auswirkungen des Lebensversicherungsreformgesetzes bezog er in seinen Vortrag ein. Dabei kam er zur Überschussentstehung in der Versicherungswirtschaft und erklärte schließlich: „Die Töpfe lassen wenig Spielraum“. Nicht nur auf das Jahr 2015 bezogen, sondern auch bezüglich der ständig neuen Gegebenheiten drückte er sich bildhaft aus: „Lebensgeschäft ist Marathongeschäft“.