Pressemitteilung Gesundheitskonferenz 2021

20. Juni 2018 in Köln

Am 16. März 2021 hat das Institut für Versicherungswissenschaften e.V. (IfVW) an der Universität Leipzig die erste Gesundheitskonferenz unter der Überschrift „Ein enkelgerechtes System der Gesundheitsvorsorge: Nachhaltigkeit des deutschen dualen Krankenversicherungssystems“ veranstaltet. Ziel der Veranstaltung war die Förderung eines konstruktiven Dialogs zwischen den verschiedenen, maßgeblichen Akteuren im Gesundheitswesen Deutschlands, um Herausforderungen aufzudecken, Lösungen voranzubringen und einen Beitrag zur Fortentwicklung zu leisten.

Aufgrund der weiterhin geltenden Kontaktbeschränkungen fand die Tagung vollständig virtuell und nicht wie ursprünglich geplant in Berlin statt. Professor Dr. Fred Wagner, Vorstand des IfVW, konnte zu diesem besonderen Format gut 45 Teilnehmer virtuell begrüßen.

Gemeinsam mit Herrn Erwin Rüddel, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag, eröffnete Prof. Wagner den fachlichen Teil der Gesundheitskonferenz mit dem Vortrag „Das Gesundheitssystem in Deutschland – Bestandsaufnahme und Perspektiven mit einem Fokus auf die Corona-Pandemie“. Prof. Wagner erläuterte Grundlegendes zum Gesundheitssystem, ging u.a. auf Akteure und Interessenkonflikte sowie Trends und grundsätzliche Diskussionspunkte ein. Dabei wurden immer wieder einzelne Aspekte aufgegriffen und als Frage zur politischen Sicht an Herrn Rüddel gerichtet, der seine Würdigungen dazu abgab. Der Eröffnungsbeitrag endete mit einem aktuellen Blick auf die Corona-Pandemie, wodurch auch mit dem Plenum eine lebhafte und kontroverse Diskussion ausgelöst wurde.

Im Anschluss an diesen grundlegenden Blick auf die generellen Herausforderungen unseres Gesundheitssystems widmete sich Herr Dr. Gottfried Ludewig, Leiter der Abteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit, im Speziellen dem Thema „Medizinischer und technischer Fortschritt in der Theorie und Praxis: Entwicklungslinien, Chancen und Grenzen der Digitalisierung“. Er ging u.a. auf den Datenschutz ein und forderte, dass hierzu in Deutschland neu gedacht werden müsse, um die Chancen und Potenziale der Digitalisierung in größerem Umfang nutzen zu können. Er kritisierte insbesondere, dass die herrschende Debatte zu sehr die Risiken von Datenerhebungen und -nutzungen und zu wenig deren Chancen adressiert. Eine weitere zentrale Botschaft war, dass die Digitalisierung jetzt beschleunigt angegangen werden muss. Konzerne wie Apple und Amazon würden nicht darauf warten, dass Europa im Wettbewerb um Potenziale und Anwendungen datengetriebener Lösungen hinterherkomme.

Frau Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, erläuterte im Rahmen ihres Referats „Perspektiven der gesetzlichen Krankenversicherung – auch vor dem Hintergrund des demografischen und sozio-ökonomischen Wandels“ –die finanzielle Entwicklung der GKV. Um das Gesundheitswesen weiterhin finanzieren zu können, nannte Frau Dr. Pfeiffer beispielsweise die Ausweitung der Steuerfinanzierung und eine stärkere Integration bestimmter Gruppen in den Arbeitsmarkt. Weiterhin müsse die Organisation des Gesundheitswesens angepasst werden. Hierbei spiele insbesondere die konsequente Ausrichtung des Versorgungsmanagements an den Patientenbedarf und das Wirtschaftlichkeitsgebot eine Rolle. Auch Frau Dr. Pfeiffer befürwortete eine stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens, da dies u.a. mehr Versorgungseffizienz schaffe.

Nach einer Kaffeepause wurde die Konferenz durch den Vortrag des ehemaligen Gesundheitsministers und heutigen Vorstandsmitglieds der Allianz Private Krankenversicherungs-AG, Daniel Bahr, fortgesetzt. Unter der Überschrift „Pflegeversicherung in Deutschland: Wo wir stehen und was wir brauchen“ beleuchtete er die immer größer werdende gesellschaftliche Relevanz des Themas Pflege. Trotz der gegenwärtigen Bedeutung, ist die Notwendigkeit der Absicherung späterer Pflegekosten noch nicht in der breiten Gesellschaft angekommen. Der Markt für Pflegeversicherungen sei ein Wachstumsmarkt. Im Pflegefall zählen die Erhaltung der Autonomie, der Wunsch den Angehörigen, möglichst wenig zur Last zu fallen und der Wille, etwas zu hinterlassen, zu den Zielen und Bedürfnissen der Bürger. Das alles sei allerdings nicht allein mit der gesetzlichen Pflegeversicherung zu erreichen, sondern erfordere eine zusätzliche private Absicherung. Aktuell verfüge nur jeder 25. über eine ergänzende Pflegeabsicherung.

Im letzten Einzelbeitrag des Tages richtete Herr Dr. Florian Reuther, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung e. V., seinen Blick auf die „Perspektiven der Finanzierung – Umlageverfahren und Kapitaldeckung“. Als Grundaufgabe unseres Gesundheitssystems nannte Dr. Reuther die Finanzierung der höheren Gesundheitsausgaben im Alter. Um dies zu ermöglichen, gebe es im Wesentlichen drei Wege: jeder Bürger trägt die Kosten selbst, die Finanzierung erfolgt über das Umlageverfahren oder über den Weg der Kapitaldeckung. Das System der Umlagefinanzierung stoße jedoch aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft zunehmend an seine Grenzen. Das Kapitaldeckungsverfahren müsse daher eine größere Rolle spielen. Eine stärkere Steuerfinanzierung der Sozialversicherungen sei unter anderem mit Blick auf die Konjunkturabhängigkeit des Steueraufkommens und der Abnahme der Erwerbstätigen im Zuge des demografischen Wandels nicht zielführend.

Nach den Einzelvorträgen moderierte Prof. Wagner am Ende der Konferenz eine Podiumsdiskussion mit den Referent(inn)en Herrn Rüddel, Frau Dr. Pfeiffer, Herrn Dr. Reuther – und hinzu kam Frau Rita Reichard von der Verbraucherzentrale NRW. Hierbei äußerte Herr Rüddel, dass die Diskussion um eine Bürgerversicherung eher ideologischer Natur sei und auch abseits des Wahlkampfes keine wesentliche Rolle spiele. Frau Reichard schätzte den geleisteten Mehrbeitrag der PKV-Versicherten, kritisierte jedoch die Finanzierbarkeit einer privaten Krankenversicherung ab dem Rentenalter. Frau Dr. Pfeiffer und Herr Dr. Reuther bekräftigen mit Engagement und Überzeugungskraft ihre Sichten zur Vorteilhaftigkeit der GKV bzw. der PKV. Die Diskussion endete mit lobenden Worten eines Teilnehmers für das duale Gesundheitssystem, das anstatt gegeneinander ausgespielt lieber auf beiden Seiten verbessert werden sollte, um den Wettbewerb der Systeme zu fördern und die hohe Qualität der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland auch zukünftig zu sichern und auszubauen.